Koordinierungsstelle
Seit Mai 2020 ist die Koordinierungsstelle beim Verein Decolonize Berlin angesiedelt. Sie wurde eingerichtet, nachdem das Berliner Abgeordnetenhaus 2019 die Entwicklung eines gesamtstädtischen Aufarbeitungs- und Erinnerungskonzepts zur Geschichte und zu den Folgen des Kolonialismus des Landes Berlins beschlossen hatte (DS 18/1788). Die Koordinierungsstelle wird durch die Haushaltsmittel des Landes Berlin - Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe). Der Senat hat in seiner Sitzung am 18. April 2023 den Bericht über das gesamtstädtische Aufarbeitungskonzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit beschlossen (DS 19/0954). Der Bericht zeigt der Berliner Verwaltung, welche Projekte für die Dekolonisierung Berlins bereits angestoßen wurden und in welchen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht.
Das Ziel der Koordinierungsstelle ist, gemeinsam mit Berliner Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen, die die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und desen Auswirkungen insbesondere in Berlin vorantreiben. Handlungsleitend für die Arbeit sind folgende Kriterien:
- Maßnahmen werden in einem partizipativen Prozess mit der Zivilgesellschaft und insberede mit Schwarzen, diasporischen und migrantischen Gruppen identifiziert und unter Beteiligung zivilgesellschaftlicher Gruppen gemeinsam mit dem Land Berlin und Berliner Institutionen umgesetzt
- Maßnahmen werden im Bewusstsein eines bereits jahrelang andauernden antikolonialen Widerstands in den ehemaligen Kolonien und in Deutschland entwickelt und umgesetzt
Diese Kriterien wurden zunächst in einem zweijährigen transparenten und offenen Partizipationsprozess erarbeitet, der Raum für unterschiedliche Stimmen und Positionen bot.
Die Koordinierungsstelle bietet Raum für Austausch und begleitet die Umsetzung der Forderungen und Maßnahmen für Dekolonisierungsprozesse.
Das Team der Koordinierungsstelle arbeitet mit Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik, um Maßnahmen zur Umsetzung von Dekolonisierungsprozessen in Berlin umzusetzen. Daneben unterstützt die Koordinierungsstelle die Vereins- und Bündnisarbeit.
Für nähere Einblicke und Anfragen schreiben Sie uns an.
info@decolonize-berlin.deAuftrag
Die Koordinierungsstelle hat den Auftrag, konkrete Vorschläge für die intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit und ihren kolonialen Kontinuitäten zu formulieren und würdige Formen der Erinnerung gemeinsam mit der Berliner Stadtgesellschaft zu entwickeln.
Das Konzept zur Dekolonialisierung Berlins soll die Bereiche Kultur, Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sowie die Aktivierung der Städtepartnerschaft Berlins mit Windhoek (Namibia) umfassen. Begleitende Forschungsarbeiten sind ein fester Bestandteil der Arbeit der Koordinierungsstelle. Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und den Bezirken wurde 2021 ein Katalog mit Forderungen und Maßnahmen erarbeitet. Im Jahr 2022 begann die Umsetzung der Maßnahmen und somit die aktive gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit.
Das Ziel ist, den Dialog mit allen Beteiligten weiter zu vertiefen und dabei die Notwendigkeit der Teilhabe der betroffenen Communities sicherzustellen.
Prozess
Als erster Schritt muss Verantwortung für die koloniale Vergangenheit und ihre Verbrechen übernommen werden.
Das ist die Grundlage für jede Aufarbeitung von Kolonialismus.
In den Jahren 2020-2021 wurden in verschiedenen Veranstaltungen gemeinsam Forderungen erarbeitet, die auf einer langen Tradition des antikolonialen und antirassistischen Widerstands basieren. Dieser manifestiert sich in lokalen Kontexten, aber auch auf der internationalen Ebene. Dabei wurden bereits bestehende zivilgesellschaftliche Forderungen und Konzepte wurden aufgegriffen und eingebunden.
Es haben verschiedene Veranstaltungsformate wie Fachtagungen, Expert:innen-Interviews und Gesprächsrunden stattgefunden. Mehrere wissenschaftliche Gutachten zu den Bereichen frühkindliche Bildung, Lehrkräftsbildung und universitäre Bildung sowie den Umgang mit den Ancestral remains aus kolonialen Kontexten sind entstanden. Inzwischen liegt ein detaillierter, von der Zivilgesellschaft erarbeiteter Maßnahmenkatalog vor (Jahresbericht 2021), der im April 2023 vom Berliner Senat beschlossen wurde und den sieben Senatsverwaltungen mit Stellungnahmen kommentiert und erste Umsetzungsschritte benannt haben (Drucksache 19/0954).
Seit dem Jahr 2020 haben über 1000 Personen aus verschiedenen Vereinen, Einzelaktivist*innen und Vertreter*innen der Bezirke sowie Senatsverwaltungen haben an den analog, digital oder hybrid ausgerichteten Veranstaltungen teilgenommen.
In regelmäßigen Abständen werden verschiedene Austausch- und Veranstaltungsformate angeboten, um die Erstellung eines gesamtstädtischen Konzepts zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Berlins weiterzuverfolgen. Jedes Jahr veröffentlicht die Koordinierungsstelle einen ausführlichen Bericht über ihre Arbeit mit spannenden Beiträgen zu den Themenbereichen Bildung, Erinnerungsarbeit, Restitutionen und Reparationen, Öffentlicher Raum und Internationale Beziehungen.
Hier kommt ihr zu den Forderungen und Maßnahmen die im Rahmen des Partizipationsprozesses entstanden sind und zuletzt im Rahmen des bundesweiten Vernetzungstreffens im Juli 2025 weiterentwickelt und präzisiert wurden.
Zu den Forderungen und Maßnahmen
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