We want them back!
Wissenschaftliches Gutachten zum Bestand menschlicher Überreste/Human Remains aus kolonialen Kontexten in Berlin
Im Mittelpunkt der Publikation steht die Bestandsaufnahme der Ethnologin und Provenienzforscherin Isabelle Reimann. Sie hat die aktuelle Zahl ermittelt und den Forschungsstand zu Ancestral Remains zusammengestellt. Dabei wird deutlich, dass allein in Berliner Museen und Hochschulen Gebeine von mehr als 9.458 Menschen aufbewahrt werden. Die Rückgabe der Ancestral Remains hat innerhalb der Forderungen nach Schadensersatz und Reparationen eine besondere Bedeutung. Gerade deshalb sind verlässliche Informationen über diese Bestände notwendig.
Dieses Gutachten bietet eine strukturierte und möglichst umfassende Informationsquelle zu Ancestral Remains im geografischen Raum Berlin. Auf dieser Grundlage werden politische Handlungsoptionen und Rahmenbedingungen sichtbar. Ziel ist es, die Sammlungsbestände historisch und gegenwartsbezogen einzuordnen, Informationen zu Gebeinen aus kolonialen Kontexten in Berlin aufzubereiten und eine Übersicht zur Bewertung sowie zur Empfehlung künftiger Maßnahmen zu erstellen, etwa zur Einrichtung eines internationalen, interdisziplinären Advisory Boards.
Die Publikation mit rahmenden Beiträgen von Edward Halealoha Ayau, Santi Hitorangi und Evelyn Huki, Adetoun und Michael Küppers-Adebisi, Mnyaka Sururu Mboro und Christian Kopp sowie Jephta U. Nguherimo ist zugleich ein wichtiger Beitrag zum bundesdeutschen und internationalen Diskurs.
Alternativer Bericht zum 23. bis 26. ICERD-Bericht Deutschlands
Der ICERD-Parallelbericht ergänzt das wissenschaftliche Gutachten zum Bestand der menschlichen Überreste. Mit dem Fokus auf rechtliche Aspekte unterstreicht der Bericht den rassistisch diskriminierenden Umgang mit den menschlichen Gebeinen. Demnach verstößt die Bundesrepublik Deutschland gegen das internationale Übereinkommen der UN, jede Form von Rassendiskriminierung zu beseitigen. Grundlegend sind hier die Grund- und Menschenrechte, welche die postmortale Menschenwürde einbeziehen.
Alternativer Bericht zum 23. bis 26. ICERD-Bericht Deutschlands
We Want Them Back! – App zur Unterstützung bei der Suche nach den Vorfahr:innen
Die App „We want them back“ beruht auf dem gleichnamigen Gutachten und macht Informationen über Ancestral Remains aus kolonialen Kontexten in deutschen Institutionen erstmals gebündelt und zugänglicher sichtbar. Sie soll vor allem Nachfahr:innen und Herkunftscommunities dabei unterstützen, mögliche Aufbewahrungsorte zu identifizieren, gezielte Anfragen an Museen und Sammlungen zu stellen und so Rehumanisierungs- und Rückführungsprozesse zu erleichtern. Zugleich versteht sich die App als dekoloniales und partizipatives Projekt, das Transparenz schafft, koloniale Gewaltkontinuitäten sichtbar macht und die Perspektiven der betroffenen Communities in den Mittelpunkt stellt.
WeWantThemBack-App