Koloniale Kontinuitäten in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung

Machtkritische Ansätze zu Dekolonisierung und Antirassismus

Das vorliegende Gutachten hat zum Ziel, Anregungen für eine intersektionale und dekoloniale Praxis in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung zu entwickeln. Grundlage hierfür ist eine dekoloniale Kritik an historischen und gegenwärtigen kolonial-rassistischen Ordnungen im deutschen Gesundheitswesen. Hierfür werden historische Verflechtungen kolonial-rassistischer Kontinuitäten in der medizinischen Versorgungslandschaft herausgearbeitet und ethische Anforderungen einer gelingenden Dekolonisierung der Berliner Gesundheitspolitik aufgezeigt. Im Mittelpunkt des Gutachtens steht die These, dass koloniale Kontinuitäten in der deutschen Medizin und Gesundheitsversorgung bis heute fortwirken und sich, anders als in der deutschen Kolonialzeit (1884–1919), eher im Sinne von stiller, struktureller Gewalt zeigen.

Diese gewaltvollen Verhältnisse fungieren heute in Form von subtilen und institutionalisierten Ausschluss- und Legitimationsmechanismen durch rassifizierte und vergeschlechtlichte Dominanzstrukturen. Entsprechend ist es notwendig, eine intersektional orientierte und ethisch verantwortungsvolle dekoloniale Praxis in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung zu etablieren. Angesichts der Komplexität des Themas verstehen wir unser Gutachten als work in progress, welches im Sinne eines kritischen Denk- und Diskursraums zu weiteren Debatten über Möglichkeiten, Herausforderungen und Fallstricke gegenwärtiger Dekolonisierungsprozesse in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung einlädt. Zudem fasst ein Policy Brief die zentralen Implikationen des Gutachtens in Form von Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger*innen der deutschen Gesundheitspolitik zusammen.