Newsletter
Newsletter Decolonize Berlin (1/2026)
Liebes Bündnis,
liebe Mitstreiter*innen,
In unserem ersten Newsletter im Jahr 2026 findet ihr Hinweise zu neuen Publikationen der Koordinierungsstelle und von Decolonize Berlin e.V.. Außerdem erwarten euch spannende Veranstaltungstipps und ein Überblick darüber, was bei uns in den kommenden Wochen ansteht.
Teilt gerne den Newsletter mit Mitstreiter*innen und Freund*innen. Wir freuen uns darauf, auch in diesem Jahr gemeinsam mit euch einiges in Bewegung zu setzen.
Neuer Jahresbericht von Decolonize Berlin veröffentlicht
Utopie als Widerstand
Was bedeutet Dekolonisierung in einer Zeit, in der politische Krisen zunehmen, rechte Parteien an Einfluss gewinnen und menschenfeindliche Positionen zunehmend normalisiert werden? Was heißt es, koloniale Kontinuitäten sichtbar zu machen, wenn globale Ungleichheiten fortbestehen, Grenzen weiter ausgebaut werden und Anti-Schwarzer Rassismus den Alltag vieler Menschen prägt? Welche Rolle spielen Erinnerungspolitik, Vernetzung und zivilgesellschaftliches Engagement angesichts wachsender Unsicherheiten?
Der Jahresbericht 2025 zeigt, dass Dekolonisierung kein Einzelprojekt ist, sondern ein langfristiger Prozess, der Zeit, Ausdauer und Allianzen braucht. Er dokumentiert Erfolge und Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik und macht deutlich, warum eine vielfältige Erinnerungslandschaft, partizipative Prozesse und utopisches Denken gerade jetzt unverzichtbar sind. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Errungenschaften unter Druck geraten, versteht sich dieser Bericht als Einladung, weiterzudenken, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einer offenen, solidarischen und postkolonialen Zukunft zu arbeiten.
HIER könnt ihr unseren Jahresbericht 2025 mit vielen spannenden Beiträgen als PDF herunterladen. Falls ihr den Jahresbericht in Printversion benötigt – gerne auch zum Verteilen –, meldet euch per Mail bei uns.
Unsere erste Veranstaltung im Jahr 2026
dekoloniale zukünfte für Berlin

Seit fünf Jahren arbeitet die Koordinierungsstelle an konkreten Maßnahmen, um rassistische und koloniale Strukturen in Bildung, Universität, öffentlichem Raum, Erinnerungspraxis, Restitution und internationalen Beziehungen in Berlin abzubauen. Viele Menschen fordern diese Veränderungen schon sehr lange.
Während globale Katastrophen und politische Krisen unseren Alltag prägen und die Arbeit für eine offene Gesellschaft in Berlin erschweren, sagen wir trotzdem: weitermachen, vernetzen, utopisch denken, solidarische Räume gestalten und auch die kleinen Schritte schätzen.
Wir wollen sichtbar machen, was entsteht, wenn diese Kämpfe ernst genommen werden. Der Workshop ist offen für alle, die mitdenken, mitfühlen oder mitgestalten wollen.
Jetzt HIER anmelden.
Bundesweites Vernetzungstreffen: Dieses Jahr zum ersten Mal in Hamburg!
Decolonize the Bund - am 12. und 13. März

Wir laden euch hiermit herzlich zum nächsten bundesweiten Vernetzungstreffen Decolonize The Bund ein, das dieses Jahr erstmals in Hamburg stattfindet. Nach mehreren Jahren in Berlin wird die Plattform damit in eine neue Region getragen und erstmals gemeinsam mit norddeutschen Akteur:innen weiterentwickelt. Ziel des Treffens ist es, bundesweite Initiativen, Aktivist:innen, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie politische Entscheidungsträger:innen zusammenzubringen, die zu Dekolonisierung, Rassismuskritik und einer gerechten und intersektionalen Erinnerungskultur arbeiten. Gemeinsam wollen wir uns vernetzen, Erfahrungen austauschen und neue Impulse für eine solidarische, dekoloniale Erinnerung setzen.
Aktuell befindet sich das Programm noch im Feinschliff. Es wird voraussichtlich Mitte Februar auf der Website von Ossara e.V. veröffentlicht – schaut dann doch gerne nochmal vorbei.
Anmeldeschluss ist der 26. Februar 2026.
Weitere Infos und Anmeldung HIER.
Fragen zur Veranstaltung Decolonize the Bund bitte an: anmeldung[at]ossara.de
Die Veranstaltung Decolonize the Bund wird organisiert von Ossara e.V. und gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg.
Der lange Weg nach Hause für Mangi Lobulu
Mangi Lobulu Ndemi Kaaya war ein Herrscher der Wameru, einer Gemeinschaft am Fuße des Bergs Meru im Norden des heutigen Tansania. Er wurde gemeinsam mit Anführern der Wachagga und Waarusha 1900 in (Old) Moshi auf Befehl deutscher Kolonialoffiziere öffentlich gehängt. Seine Gebeine wurden (wie viele andere) zunächst nach Berlin geschickt. Sein Nachkomme Felix Kaaya suchte jahrzehntelang nach dem Verbleib der Gebeine. 2022 wurden sie im American Museum of Natural History (AMNH) in New York identifiziert.
Felix Kaaya möchte nun in Begleitung einer kleinen Delegation nach New York reisen, um dem Ahnen zu begegnen, direkte Gespräche mit den Museumsverantwortlichen zu führen, Archivmaterial zu sichte und eine Rückkehr von Mangi Lobulu nach Hause vorzubereiten. Das AMNH hat Felix Kaaya zu diesem Besuch eingeladen. Durch zahlreiche Spender*innen ist der Betrag für die Reise nun gedeckt – herzlichen Dank dafür!
Nun hoffen wir, dass die Felix Kaaya und die weiteren Mitglieder der Delegation ein Visum für die USA bekommen - trotz der verschärften Einreisebestimmungen. Hier heißt es nun: Daumen drücken
Spendenaufruf: Hände weg von Shark Island – Genozid-Gedenken in Namibia unterstützen
Im Konzentrationslager auf Shark Island starben während des deutschen Genozids Tausende Ovaherero und Nama. Heute ist dieser Ort durch den geplanten Hafenausbau u. a. für Wasserstoffexporte nach Deutschland bedroht. Deshalb organisieren unsere Partner:innen von der Nama Traditional Leaders Association (NTLA) vom 9.–12. April 2026 unter dem Motto „Hände weg von Shark Island“ Gedenkfeiern, Protestaktionen – darunter eine Menschenkette um die Halbinsel – sowie Workshops zur Erinnerung an den Völkermord.
Ihre Spende trägt dazu bei, Anreise, Unterkunft, Verpflegung, Übersetzung, Materialien sowie die Organisation von Zeremonien und Protesten zu finanzieren. So bleibt das Gedenken in den Händen der Betroffenen. Mit Ihrer Unterstützung schützen Sie Shark Island als Ort des Erinnerns, der Würde und des Widerstands – und stehen solidarisch an der Seite der Nachkommen der Überlebenden des Völkermords.
Spenden Sie hier unter dem Stichwort „12. April“ und helfen Sie, Shark Island als Ort des Gedenkens zu bewahren.
We Want Them Back – Teilnahme am Datendialog
Wir freuen uns sehr darauf, die Open-Source-Version der „We Want Them Back“-App im März beim Datendialog der Bertelsmann Stiftung in Frankfurt vorstellen zu dürfen. Beim Datendialog werden Akteure aus der Zivilgesellschaft mit Menschen mit unterschiedlicher (Daten-)Expertise zusammengebracht. Ziel ist es, technische Herausforderungen zu diskutieren und Lösungswege aufzuzeigen. Data-Volunteers können sich noch anmelden. 😊
Neue Publikation: Bildungsmaterialien für Lehrkräfte und Multiplikator*innen
STRASSEN ERZÄHLEN GESCHICHTE(N)
KOLONIALISMUS, DEKOLONIALE PERSPEKTIVEN UND STADTRAUM

Das Bildungsmaterial "Straßen erzählen Geschichte(n)" soll Lehrkräfte, Multiplikator*innen und politische Bildner*innen dabei unterstützen, dekoloniale Bildungsansätze zu stärken. Das Material vermittelt nicht nur Wissen, sondern dient als Werkzeug, um koloniale Bezüge im Unterricht und Alltag zu erkennen, kritisch zu reflektieren und dekoloniale Perspektiven fächerübergreifend in die Unterrichtspraxis einzubringen. Der Berliner Stadtraum wird dabei als Lernort verstanden und aktiv genutzt.
Dekolonisieren heißt, dekoloniale Denk- und Machtstrukturen zu hinterfragen und zu verändern. Dieses Material soll dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden, zu hinterfragen, weiterzudenken und zu forschen. Es vermittelt nicht nur Wissen, sondern versteht sich als Werkzeug, um koloniale Bezüge im eigenen Fach oder im Alltag zu erkennen, das eigene Wissen kritisch zu reflektieren und sich mit dekolonialen und antikolonialen Perspektiven auseinanderzusetzen.
Wie kann dekoloniale Bildung im Schulalltag konkret aussehen? Was braucht es dafür inhaltlich und didaktisch und wie können wir strukturelle und individuelle Hindernisse erkennen und überwinden?
Das Material wird durch Gastbeiträge von (wissenschaftlichen) Expert*innen und Nichtregierungsorganisationen (NRO) erweitert. Info- und Materialboxen stellen vertiefende Informationen sowie nutzbare Materialien zum jeweiligen Inhalt des Kapitels zur Verfügung. Am Ende der Hauptkapitel "Einordnen" und "Verorten" regen Reflexionsfragen zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Standpunkt und Handlungsoptionen an.
Ein Glossar mit zentralen Begriffen soll dabei unterstützen, sich inhaltlich und sprachlich im Material zurechtzufinden.
Die Publikation steht auf unserer Webseite kostenlos als Download zur Verfügung oder kann im Printformat bei uns bestellt werden.
Machtkritische Ansätze zu Dekolonisierung und Antirassismus
Koloniale Kontinuitäten in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung
Das vorliegende Gutachten hat zum Ziel, Anregungen für eine intersektionale und dekoloniale Praxis in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung zu entwickeln. Grundlage hierfür ist eine dekoloniale Kritik an historischen und gegenwärtigen kolonial-rassistischen Ordnungen im deutschen Gesundheitswesen. Hierfür werden historische Verflechtungen kolonial-rassistischer Kontinuitäten in der medizinischen Versorgungslandschaft herausgearbeitet und ethische Anforderungen einer gelingenden Dekolonisierung der Berliner Gesundheitspolitik aufgezeigt. Im Mittelpunkt des Gutachtens steht die These, dass koloniale Kontinuitäten in der deutschen Medizin und Gesundheitsversorgung bis heute fortwirken und sich, anders als in der deutschen Kolonialzeit (1884–1919), eher im Sinne von stiller, struktureller Gewalt zeigen.
Diese gewaltvollen Verhältnisse fungieren heute in Form von subtilen und institutionalisierten Ausschluss- und Legitimationsmechanismen durch rassifizierte und vergeschlechtlichte Dominanzstrukturen. Entsprechend ist es notwendig, eine intersektional orientierte und ethisch verantwortungsvolle dekoloniale Praxis in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung zu etablieren. Angesichts der Komplexität des Themas verstehen wir unser Gutachten als work in progress, welches im Sinne eines kritischen Denk- und Diskursraums zu weiteren Debatten über Möglichkeiten, Herausforderungen und Fallstricke gegenwärtiger Dekolonisierungsprozesse in der Berliner Medizin und Gesundheitsversorgung einlädt. Zudem fasst ein Policy Brief die zentralen Implikationen des Gutachtens in Form von Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger*innen der deutschen Gesundheitspolitik zusammen.
Die Publikation steht auf unserer Webseite kostenlos als Download zur Verfügung oder kann im Printformat bei uns bestellt werden.
Ihr wollt euch einbringen? Das sind die nächsten Möglichkeiten
Das nächste Bündnistreffen wird digital am Mittwoch, den 18 März stattfinden.
Der AK-Stadtraum trifft sich am Freitag, den 6. Februar um 18 Uhr.
Wer Interesse hat, kommt gerne dazu. Gerne per Mail an info[at]decolonize-berlin.de
Unterstütze unsere Arbeit mit deiner Spende
Decolonize Berlin e.V. ist ein breites Bündnis aus Schwarzen, afrodiasporischen, postkolonialen und entwicklungspolitischen Initiativen sowie engagierten Einzelpersonen. Uns verbindet ein gemeinsames Ziel: die kritische Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und ihrer anhaltenden Auswirkungen sichtbar zu machen – und zu verändern.
Wir schaffen Räume für Bildung, Austausch und Protest. Mit vielfältigen Projekten, öffentlichen Veranstaltungen und kreativen Interventionen – im Spreeufer 6 oder bei Umbenennungsfeiern – setzen wir Impulse für gesellschaftlichen Wandel und eine Zukunft ohne koloniale und rassistische Strukturen.
Unsere Arbeit lebt vom freiwilligen Engagement vieler Menschen. Doch um nachhaltig wirken zu können, brauchen wir auch finanzielle Unterstützung.
Mit Deiner Spende stärkst Du selbstorganisierte, zivilgesellschaftliche Strukturen und machst konkrete dekoloniale Projekte in Berlin möglich.
Danke für Deine Unterstützung!
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Newsletter-Archiv
| 30.01.2026 newsletter-decolonize-berlin-1-2026 | Newsletter Decolonize Berlin (1/2026) |
| 18.12.2025 newsletter-decolonize-berlin-5-2025-2 | Newsletter Decolonize Berlin (6/2025) |
| 30.10.2025 newsletter-decolonize-berlin-5-2025 | Newsletter Decolonize Berlin (5/2025) |
| 02.10.2025 newsletter-decolonize-berlin-4-2025 | Newsletter Decolonize Berlin (4/2025) |
| 31.07.2025 db_nl004 | Newsletter Decolonize Berlin (3/2025) |
| 25.02.2025 db_nl003 | Newsletter 3 |